Facebook-SharerGoogle+-Sharer
Träumen im Mohnfeld

Liebe ...,

aus dem Lokalteil unserer Tageszeitung erfuhr ich, dass Sie heute Geburtstag haben. Dieses freudige Ereignis möchte ich zum Anlass nehmen, Sie mit diesem Schreiben zu kontaktieren. Von ganzem Herzen wünsche ich Ihnen auf diesem Wege alles Gute für das neue Lebensjahr. Ganz besonders hoffe ich, dass Sie gesund bleiben und dass all Ihre kleinen und großen Träume in Erfüllung gehen.

Nun denken Sie vielleicht: Wozu von irgendetwas träumen? Ich habe doch alles, was ich brauche. Ich besitze eine gemütliche Wohnung, sehe mit Stolz auf meine erwachsenen Kinder und blicke auf ein erfülltes Berufsleben zurück. Doch ist das wirklich alles, was Sie sich wünschen? Gibt es da nicht doch etwas, das Ihnen fehlt? Sehnen Sie sich nicht nach einem Menschen an Ihrer Seite, der Tag für Tag zu Ihnen steht und der sofort da ist, wenn Sie ihn brauchen? Einen guten Freund, mit dem Sie über alles reden können, der Sie auf Ihren Unternehmungen begleitet und vielleicht das eine oder andere Hobby mit Ihnen teilt? Mir jedenfalls geht es so.

Natürlich schreibe ich nicht jeder Frau, der ich schon mal begegnet bin, und deren Geburtstag in der Zeitung steht. Ich denke, in dieser Hinsicht sollte ich mich erklären.

Unsere gemeinsamen Interessen sind mit bereits seit einiger Zeit aufgefallen. So habe ich Sie mal in der Kunstausstellung entdeckt. Sie nahmen gerade ein Bild von Claude Monet in Augenschein. Es war das mit dem Mohnfeld bei Argenteuil. Dabei besaßen Sie eine Ausstrahlung, die mich verzauberte. Es war nicht nur ihr buntes Kleid, das in mir die Vorstellung auslöste, dass Sie wie geschaffen wären für dieses Gemälde. Sie könnten es sein, die inmitten der hohen Gräser und roten Blumen flaniert. Es war Ihre Leichtigkeit, die ich von Anfang an bewunderte.

In der Stadtbibliothek waren Sie mal so sehr in Ihre Lektüre vertieft, dass Sie mich nicht bemerkt haben. Ich bezweifle, dass es im Leben Zufälle gibt. Ich möchte lieber daran glauben, dass jemand unsere Geschicke lenkt und uns wieder und wieder zusammenführte. Vielleicht dachte er dabei daran, dass wir irgendwann gemeinsam in ein Konzert gehen oder durch den Stadtpark spazieren könnten. Gern nämlich möchte ich Sie etwas näher kennen lernen. Sofern auch Sie daran interessiert sind, unsere eher flüchtige Bekanntschaft zu vertiefen, dann melden Sie sich gern. Für diesen Fall lege ich Ihnen meine Kontaktdaten bei. Ich hoffe auf eine Antwort von Ihnen.

Vorerst verbleibe ich hochachtungsvoll

Ihr ...