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Liebe - Rose

Er zog eine Grimasse, als er in den Garten hinaus blickte. Der Regen verwandelte die sonst so üppig grüne Landschaft in ein grau in grau. "So wie mein Leben", dachte er und drehte sich um. Sein Blick schweifte über die dunkle Wandtäfelung, die alten Sessel, in denen er so viele Stunden vor dem Kamin zugebracht hatte. Stunden voll schmerzhafter Erinnerungen an seine große Liebe, die kurz vor der Heirat verstarb.

"Es gibt keine andere Lösung, du musst heiraten", wiederholte seine Tante, den Blick ruhig auf ihren Neffen gerichtet. Sie wusste um seine tiefe Trauer. Doch sie wusste auch um die Notwendigkeit einer Heirat, um die Familie, die Titel und das Land im Süden Englands zu bewahren, das seit so vielen Generationen im Besitz der Familie war.

"In weniger als einem Jahr feierst du deinen 39. Geburtstag. Du musst dich entscheiden, sonst ist alles, was die Familie aufgebaut hat, verloren."

Sie sprach ruhig, den Rücken kerzengrade, wie sie es vor mehr als 70 Jahren als junges Mädchen gelernt hatte. Sie liebte ihren Neffen, so sehr, dass es ihr das Herz zerriss, ihn jetzt so leiden zu sehen. Doch es half nichts. Wenn er als Lord Conqueres nicht vor seinem 39. Geburtstag eine Frau adeligen Standes ehelicht, wird der gesamte Besitz zerschlagen und der Kirche zugesprochen. So hatte es ihr Bruder auf seinem Sterbebett verfügt.

"Mein Bruder - was für eine bösartige Kreatur", ging es der alten Dame durch den Sinn.

"Nun gut, ich werde Franziska heiraten", erklärte Simon ruhig, bemüht, seine zu Fäusten geballten Hände wieder zu entspannen. Seine hochgewachsene Statur, seine maskulinen Gesichtszüge und sein dunkles Haar ließen seine adelige Herkunft erkennen. Früher war er ein stolzer Mann voller Tatendrang. Jetzt blickten seine Augen nur noch müde, als er fragte: "Wann sehe ich sie?"

"Ihr Vater und sie werden heute Nachmittag hier eintreffen", führte seine Tante aus. "Es wäre gut, wenn du dich bis dahin beruhigen könntest. Für Franziska ist es nicht leicht. Sie wurde von ihrem Vater zu dieser Heirat gedrängt. Die finanzielle Not der Familie ist immens. Sie hat nur ihren Titel."

"Die verkaufte Braut", höhnte Simon, doch sogleich tat es ihm leid. Beide verband zumindest das Schicksal, machtgierige Väter zu haben.

Als er Franziska im Schloss eintraf, stand er in ein Buch vertieft in der Bibliothek. Ihr Eintreten bemerkte er, doch schaffte er es nicht, sich ihr sofort zuzuwenden.

"Du möchtest mich also ehelichen?" fragte er sie, ohne von seinem Buch aufzublicken.

"Ja", kam es von der Tür. Ihre Stimme, so hell und klar, ließ ihn aufmerken.

"Was erwartest Du von unserer Ehe?", fragte er.

"Liebe", sagte Franziska. „Ich will Liebe und nichts auf der Welt bringt mich dazu, einen Mann zu heiraten, der mich nicht liebt. Wir leben im 20. Jahrhundert. Um keinen Preis der Welt lasse ich mich einzig um den Erhalt der Familie verkaufen."

Ihre scharfen Worte ließen ihn aufblicken. Die strahlend blauen Augen funkelten vor Wut, dass er sich an ihrer unbändigen Lebenslust nicht sattsehen konnte. Aus dem sorgfältig aufgesteckten Dutt hatten sich einige blonde Haare gelöst. Und obwohl sie zart und zerbrechlich wirkte, sprühte sie vor Energie. Eine schönere Frau hatte er noch nie gesehen. Und plötzlich wusste er, was er wollte. Er spürte es tief in seinem Herzen. Er wollte nur noch von ihr festgehalten werden. Nie wieder allein sein. Vorsichtig trat er an sie heran.

"Dann werden wir zusehen, dass du bekommst, was du dir wünscht“, sagte er mit sanfter Stimme und strich vorsichtig eine Strähne aus ihrem Gesicht.

"Und drei Kinder dazu", sagte sie keck und doch so zärtlich, wie es nur eine Frau kann, die sich gerade verliebt hat.

"Vier", erwiderte er und küsste ihre Hand.