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Jubiläum

Nein, an einem Valentinstag haben wir uns nicht kennen gelernt; das war bereits im September des vorangegangenen Jahres. Aber am darauf folgenden 14. Februar sind wir zum ersten Mal miteinander verreist. Es war nicht weit und nicht lange, lediglich für eine Woche an die Ostsee, damit wir uns besser näherkommen können. Denn Werner wohnte in der Nähe von Hamburg über 100 km weit von mir entfernt. Wir hatten uns vor nunmehr 11 Jahren im Internet gefunden. Damals war das noch sehr aufregend, auf diese Weise einen Partner zu suchen. Ich hatte noch nicht lange meinen ersten privaten Computer und stellte über das für heutige Begriffe sehr langsame Modem eine Verbindung zu der großen weiten Außenwelt her. Das Portal für die Suche nach der passenden Bekanntschaft war kostenlos und so probierte ich es einfach einmal aus. Ich stellte mein Profil mit Foto ein und suchte meinerseits nach dem Mann, der zu mir passen könnte.

Nach zahlreichen gescheiterten Begegnungen per Telefon oder auch manchmal persönlicher Art an einem neutralen Ort fand ich endlich meinen heutigen Lebensgefährten Werner. Er hatte das gleiche Hobby wie ich, nämlich das Reisen. Ich weiß gar nicht mehr, wie viele kleine, mittlere und große Reisen wir inzwischen schon zusammen unternommen haben. Es sind aber bisher sehr sehr viele gewesen und es sollen nach Möglichkeit auch noch sehr viel mehr werden. Solange es unsere Gesundheit erlaubt, denn wir sind nicht gerade die Jüngsten. Ich bin 60 Jahre alt und Werner wird nächstes Jahr 70. Und wenn wir eines Tages nicht mehr reisen können, haben wir vorgesorgt, indem wir in Erinnerungen schwelgen können, weil ich zahlreiche Urlaubsfotos eingefangen habe und Werner auf den interessantesten Reisen Filme anfertigte, die er am Computer professionell gestaltete.

Der erste gemeinsame Valentinstag, an dem wir, wie bereits erwähnt, unseren einwöchigen Urlaub an der Ostsee verbrachten, war für uns der Stichtag, an dem wir eigentlich schon wussten, dass wir zusammenbleiben würden. Am 1. Mai nach unserer Reise zog ich dann auch tatsächlich zu ihm. Werner war geschieden und alleinerziehender Vater eines Sohnes, der zu dem Zeitpunkt noch bei ihm wohnte. Er war ganz und gar damit einverstanden, dass wir nun zu dritt unter einem Dach leben sollten.

Davor hatte ich mit meinem früheren Mann, der älter war und damals bereits Rente bezog, eine schöne Zeit in Italien verbracht, wo wir eine kleine nette Wohnung gemietet hatten. Davor haben wir ein arbeitsreiches Leben in Frankfurt hinter uns gebracht, bis mein Sohn selbstständig war und auszog. Das war für uns der Anlass, in unser Traumland zu ziehen. Als mein Mann nach dreieinhalb Jahren Aufenthalt in Italien plötzlich und unerwartet starb, wollte ich wieder nach Deutschland zurück und zog in die Nähe meiner damals noch lebenden Mutter.

Nun saß ich also in meiner schicken neu erworbenen Eigentumswohnung in Celle, welche sich in der Nähe des Friedhofs befand, auf dem die Asche meines Mannes begraben wurde. Nach über einem Jahr der Trauer dachte ich dann schließlich darüber nach, wie es wäre, nicht mehr allein zu sein. Mein Mann hätte sicherlich nicht gewollt, dass ich von nun an nur noch traurige Friedhofsbesuche abhalte. Und so begann die Geschichte mit Werner, der sich mit mir am Valentinstag des Jahres nach der ersten gemeinsamen Reise feierlich verlobte. Der Valentinstag ist nun für uns jedes Jahr wie der Hochzeitstag, denn heiraten können und wollen wir nicht. Ein Grund dafür ist, dass ich dann keine Witwenrente mehr beziehen würde. Wenn die wegfallen würde, könnten wir längst nicht so viele schöne Reisen unternehmen, wie wir es noch immer tun und hoffentlich auch noch lange tun werden.

Autor: Ditha Farkas