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Nikolausfest

Endlich ist wieder Weihnachtsmarkt! Alljährlicher Treffpunkt ist die Bude, an der es Feuerzangenbowle gibt. Dort stehen wir jetzt auch, ein Glas Bowle in der Hand - wer will, kann die auch mit Schuss bekommen. Den brauche ich - denn ich bin verliebt und mein Schwarm steht nur wenige Meter entfernt. Ich trinke den letzten Schluck und sage halblaut "noch eine!"

"Sauf nicht so viel!" mahnt meine Freundin. "Wenn du besoffen bist, beißt der eh' nicht an. Ich weiß, dass der keine betrunkenen Weiber mag." Ich beschließe, meinen Alkoholkonsum zu reduzieren, bevor ich mir eine weitere Bowle gönne - immerhin ohne Schuss.

Jetzt kommt ER auf uns zu! Mein Gesicht wird heiß. Meine Freundin verzieht sich zur Nachbargruppe. Nun stehe ich allein vor IHM! Der Alkohol hat meine Zunge gelockert - ich bin aber noch Herr meiner Sinne und passe auf, keinen Mist zu reden. Und dann - passiert es! Er fragt, ob ich zu seiner Nikolaus-Party komme. Ich kriege vor Freude Schweißausbrüche - bin froh, dass er mein knallrotes Gesicht nicht sehen kann; das habe ich vorsorglich unter einer zentimeterdicken Make-up-Schicht vergraben. Ich hasse es, wenn ich rot wie eine Tomate werde! Ich nicke begeistert und will noch etwas sagen. Doch er ist schon halb im Gehen, dreht sich noch einmal um und sagt: "Es gibt auch eine Überraschung - passend zu Nikolaus!"

Freches Grinsen - weg ist er. Mir egal - ICH bin zu SEINER Party eingeladen! Nach einer weiteren Bowle - diesmal mit Schuss - schwebe ich wie im siebten Himmel nach Hause.

Da stehe ich nun auf der Party - habe zwei Stunden vor dem Spiegel verbracht und war sogar noch shoppen. Ein Glas Apfelpunsch in der Hand, kenne kaum jemanden - nur seinen Freund, ein netter Kerl, aber nicht so mein Typ.

Mein Schwarm trägt eine alberne Nikolausmütze auf dem Kopf. Ich bin schon eine Stunde da, aber er hat mich noch nicht mal begrüßt. Stattdessen hat er die ganze Zeit eine kleine Blonde im Schlepptau. Ich bin genervt! Er bittet die Gäste um Ruhe.

"Ich habe euch alle eingeladen, denn heute ist Nikolausabend!" grinst er. "Und der Nikolaus hat mir vor zwei Jahren diese reizende Blondine beschert, mit der ich mich heute Abend verlobe!"

Applaus und überraschtes Gegröle um mich herum. Ich selbst kriege nichts mehr mit, gleich falle ich um! Verlobt? Ich wusste noch nicht mal, dass der 'ne Freundin hat!

"Die hat er zwei Jahre gut versteckt, was?" Der nette Kerl, der nicht mein Typ ist, fasst mich am Arm und zieht mich weg. "Du wirst es überleben. Andere Mütter haben auch schöne Söhne!"

Er grinst - woher weiß er ...? Egal. Ich versuche, den Abend mit Anstand hinter mich zu bringen und mich nicht allzu sehr zu betrinken. Die Einladung des netten Kerls ins Kino nehme ich trotzdem an - schließlich muss ich mich ablenken.

Nach mehreren Treffen stellt sich heraus, dass der nette Kerl Nikolausmützen genauso hasst wie ich, dafür Rotgesichter mag, mit trinkfesten Frauen kein Problem hat und Make-up bei Frauen doof findet. Außerdem zeigt er gerne, dass er in festen Händen ist und seine Herzensfrau bereits gefunden hat - nämlich mich! Zwei Jahre später veranstalten wir auch eine Nikolaus-Party - wo wir unsere Verlobung bekanntgeben. Wir lösen damit keine Überraschung aus - all unsere Freunde hatten nämlich schon längst damit gerechnet.

Sabine Mosch